Was kostet Softwareentwicklung in Deutschland 2026?

von Viktor Eigenseer, Software Architect & Gründer

Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an

Softwareentwicklung in Deutschland kann 5.000 € kosten oder 500.000 €. Die Spanne ist riesig, weil der Preis von Faktoren abhängt, die bei der ersten Anfrage oft noch gar nicht klar sind.

Dieser Artikel gibt Ihnen eine realistische Orientierung – mit echten Zahlen aus dem deutschen Markt 2026.

Stundensätze in Deutschland

Freelancer

ErfahrungslevelStundensatz
Junior (0–3 Jahre)60–90 €
Mid-Level (3–7 Jahre)90–130 €
Senior (7–15 Jahre)130–180 €
Spezialist/Architekt (15+ Jahre)160–220 €

Agenturen

AgenturgrößeStundensatz
Kleine Agentur (2–10 Mitarbeiter)100–140 €
Mittlere Agentur (10–50 Mitarbeiter)120–170 €
Große Agentur (50+ Mitarbeiter)150–220 €

Offshore/Nearshore

RegionStundensatz
Osteuropa (Polen, Rumänien, Ukraine)40–80 €
Indien20–50 €
Portugal, Spanien50–90 €

Aus Erfahrung: Günstigere Stundensätze machen ein Projekt nicht automatisch günstiger. Kommunikationsaufwand, Zeitzonenprobleme und Nacharbeit holen die Ersparnis oft wieder rein.

Was kostet ein typisches Projekt?

Einfache Webanwendung

  • Kundenportal, internes Dashboard, Buchungssystem
  • Umfang: 200–400 Stunden
  • Kosten: 25.000–60.000 €
  • Dauer: 2–4 Monate

Mittelkomplexe Business-Software

  • ERP-Erweiterung, Branchenlösung, Multi-User-System
  • Umfang: 500–1.500 Stunden
  • Kosten: 60.000–200.000 €
  • Dauer: 4–9 Monate

Komplexe Individualsoftware

  • Kerngeschäftssoftware, Multi-Standort, Integrationen
  • Umfang: 1.500–5.000+ Stunden
  • Kosten: 200.000–600.000+ €
  • Dauer: 9–24 Monate

Die versteckten Kosten, die niemand erwähnt

1. Projektmanagement (15–25 % Aufschlag)

Jemand muss Anforderungen klären, Prioritäten setzen, kommunizieren und koordinieren. Bei Agenturen ist das im Stundensatz enthalten – aber Sie zahlen trotzdem dafür.

2. Testing und Qualitätssicherung (20–30 %)

Professionelle Software muss getestet werden. Automatisierte Tests, manuelle Tests, Lasttests. Wenn ein Anbieter das nicht einkalkuliert, fehlt es am Ende – und Sie zahlen in Form von Bugs.

3. Deployment und Infrastruktur

  • Cloud-Hosting: 100–1.000 €/Monat (Azure, AWS)
  • Domains und SSL: 50–200 €/Jahr
  • Monitoring: 50–300 €/Monat
  • Backups: 50–200 €/Monat

4. Laufende Wartung (15–20 % der Entwicklungskosten pro Jahr)

Software ist kein Haus – sie wird nicht einmal gebaut und steht dann. Frameworks bekommen Updates, Sicherheitslücken werden entdeckt, Nutzer finden Bugs. Planen Sie 15–20 % der Entwicklungskosten jährlich für Wartung ein.

Für ein 100.000-€-Projekt bedeutet das: 15.000–20.000 € pro Jahr.

5. Unklare Anforderungen

Der mit Abstand teuerste Kostentreiber: Anforderungen, die sich während der Entwicklung ändern oder von Anfang an nicht klar waren. Erfahrungsgemäß gehen die meisten Budgetüberschreitungen darauf zurück – nicht auf schlechte Entwickler oder falsche Technologie.

Neuentwicklung vs. Modernisierung

Wenn Sie bereits ein System haben, stellt sich die Frage: Neu bauen oder modernisieren?

NeuentwicklungModernisierung
Kosten100 %40–60 % der Neuentwicklung
RisikoHoch (70 % über Budget)Gering (schrittweise)
Dauer6–24 Monate bis zum Go-LiveErste Verbesserungen nach Wochen
BetriebParallelbetrieb nötigSystem läuft weiter
DatenmigrationKomplex und riskantNicht nötig

Aus unserer Erfahrung: Wenn Ihr System zu mehr als 70 % das tut, was es soll, ist Modernisierung fast immer der bessere Weg.

Wie KI die Kosten verändert

2026 verändert KI die Kostenstruktur der Softwareentwicklung spürbar:

Was günstiger wird:

  • Dokumentation: 80–90 % weniger Aufwand durch KI-generierte Docs
  • Standard-Code: Routineaufgaben werden 30–40 % schneller erledigt
  • Testing: Automatische Testgenerierung spart 30–40 % der QA-Kosten
  • Onboarding: Neue Entwickler verstehen fremden Code schneller

Was gleich teuer bleibt:

  • Architektur-Entscheidungen: KI kann keine Systemdesign-Verantwortung übernehmen
  • Fachliche Anforderungen: Das Verständnis Ihres Geschäfts ist nicht automatisierbar
  • Komplexe Integrationen: Schnittstellen zu Altsystemen brauchen Erfahrung
  • Verantwortung: Jemand muss das Gesamtbild im Blick behalten

Unter dem Strich: Softwareentwicklung wird günstiger – aber nur, wenn der Entwickler KI auch wirklich sinnvoll einsetzt. Das Tool allein macht es nicht.

Die drei häufigsten Fehler bei der Budgetplanung

Fehler 1: Nur die Entwicklung einpreisen

Software besteht nicht nur aus Code schreiben. Planung, Design, Testing, Deployment, Wartung – all das gehört zum Budget. Wer nur die Entwicklungsstunden rechnet, unterschätzt die Gesamtkosten um 40–60 %.

Fehler 2: Das günstigste Angebot wählen

Wenn drei Anbieter 50.000 €, 80.000 € und 120.000 € anbieten, ist das 50.000-€-Angebot selten das beste. Entweder wurde der Aufwand unterschätzt (und es wird deutlich teurer), oder es fehlen wichtige Leistungen (Testing, Dokumentation, Wartung).

Fehler 3: Kein Budget für nach dem Launch

Der Go-Live ist nicht das Ende – es ist der Anfang. Software muss gewartet, aktualisiert und weiterentwickelt werden. Unternehmen, die kein Wartungsbudget einplanen, stehen nach 2–3 Jahren vor dem nächsten Legacy-Problem.

Was ist der richtige Preis?

Es gibt keinen „richtigen" Preis für Softwareentwicklung. Aber es gibt Orientierungswerte:

  • Unter 80 €/Stunde: Vorsicht. Entweder unerfahren oder Offshore mit Kommunikationsrisiko.
  • 80–130 €/Stunde: Solider Mittelweg. Gute Entwickler, die effizient arbeiten.
  • 130–180 €/Stunde: Senior-Entwickler oder spezialisierte Experten. Teurer pro Stunde, aber oft günstiger pro Ergebnis.
  • Über 180 €/Stunde: Nur gerechtfertigt bei sehr speziellen Anforderungen oder Architektur-Beratung.

Ein Senior-Entwickler für 160 €/Stunde, der eine Aufgabe in 10 Stunden löst, ist am Ende günstiger als ein Junior für 80 €/Stunde, der 30 Stunden braucht. Der Stundensatz allein sagt wenig aus.

Echte Zahlen aus unserer Praxis

  • Azure-Kundendashboard übernommen: 12.000 € einmalige Einrichtung, danach 4.900 €/Monat. Der Freelancer davor kostete 9.200 €/Monat – ohne Monitoring und ohne festen Support. → Case Study Reiser Reisen

  • Mini-ERP modernisiert statt neu gebaut: Zwei gescheiterte Neuentwicklungen hatten 85.000 € gekostet. Die schrittweise Modernisierung des bestehenden Systems: 18.000 € einmalig, danach 3.900 €/Monat. → Case Study Bauer Metallbau

  • Lagerwirtschaft modernisiert: 15.000 € für die Migration einer 16 Jahre alten Delphi-Software, danach 4.900 €/Monat. Vorher lagen die tatsächlichen Kosten bei 7.800 €/Monat, wenn man Express-Bestellungen und manuellen Aufwand einrechnet. → Case Study Schuster Haustechnik

Fazit

Softwareentwicklung in Deutschland ist nicht billig. Aber die wirklichen Kostenprobleme entstehen meistens nicht durch hohe Stundensätze, sondern durch unklare Anforderungen, fehlende Wartung und wechselnde Anbieter.

Wer von Anfang an in klare Anforderungen, erfahrene Partner und ein festes Wartungsbudget investiert, spart am Ende deutlich mehr, als er am Stundensatz hätte sparen können.


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