5 Zeichen, dass Ihre Individualsoftware modernisiert werden muss
von Viktor Eigenseer, Software Architect & Gründer
„Das hat doch immer funktioniert"
Den Satz hören wir ständig. Und meistens stimmt er sogar – die Software funktioniert. Irgendwie.
Aber „funktioniert irgendwie" reicht nicht, wenn ein Unternehmen wachsen will. Die Frage ist: Hilft die Software dabei – oder steht sie im Weg?
Hier sind die fünf deutlichsten Warnsignale.
Zeichen 1: Ihre Mitarbeiter haben Workarounds entwickelt
Das offensichtlichste Zeichen – und gleichzeitig das am häufigsten ignorierte.
Typische Symptome:
- Daten werden per Copy-Paste zwischen Systemen übertragen
- Excel-Listen ergänzen die Software, weil Funktionen fehlen
- Mitarbeiter haben „ihre eigene Art", mit dem System umzugehen
- Neue Kollegen brauchen Wochen, um die Workarounds zu lernen
Was es kostet:
Bei 20 Mitarbeitern, die täglich 20 Minuten mit Workarounds verlieren, sind das über 55.000 € pro Jahr an verlorener Produktivität. Und das ist noch konservativ gerechnet.
Was es bedeutet:
Ihre Software bildet Ihre Geschäftsprozesse nicht mehr ab. Sie wurde einmal gebaut – und seitdem hat sich Ihr Unternehmen weiterentwickelt, die Software aber nicht.
Zeichen 2: Niemand traut sich, etwas zu ändern
Kennen Sie das Gefühl? Sie hätten gerne ein neues Feature oder eine Anpassung, aber jeder sagt: „Lieber nicht anfassen, sonst geht was kaputt."
Typische Symptome:
- Änderungswünsche werden seit Monaten aufgeschoben
- Der letzte, der den Code verstanden hat, arbeitet nicht mehr hier
- Es gibt keine automatisierten Tests
- Deployments passieren nachts oder am Wochenende – und alle halten die Luft an
Was es bedeutet:
Ihr System hat technische Schulden angesammelt – so viele, dass selbst kleine Änderungen riskant geworden sind. Irgendwann blockiert das nicht nur die IT, sondern das ganze Unternehmen.
Und je länger dieser Zustand andauert, desto aufwändiger wird es, da wieder rauszukommen.
Zeichen 3: Die Kosten sind nicht planbar
Mal kostet ein Monat 2.000 €, der nächste 15.000 €. Mal geht alles glatt, dann fällt plötzlich etwas aus und es wird zum Notfall-Projekt.
Typische Symptome:
- Jede Änderung wird zum eigenen Projekt mit Angebot und Aufwandsschätzung
- Notfall-Einsätze kommen regelmäßig vor
- Sie wissen nie, was IT nächsten Monat kostet
- Budget-Planung für Software ist Raten
Was es bedeutet:
Ihr Betreuungsmodell passt nicht zu Ihrem System. Projektbasierte Betreuung funktioniert für projektbasierte Arbeit – nicht für ein System, das jeden Tag laufen muss.
Zeichen 4: Die Technologie ist am Ende des Lebenszyklus
Software-Frameworks und Plattformen haben einen Lebenszyklus. Wenn der Support endet, endet auch die Sicherheit.
Kritische Beispiele:
- .NET Framework 4.x – wird nicht mehr aktiv weiterentwickelt, nur noch Sicherheitsupdates
- Windows Server 2012/2016 – End of Support erreicht oder nahe
- Angular.js (1.x) – seit 2022 End of Life
- PHP 7.x – keine Sicherheitsupdates mehr seit Ende 2023
- jQuery-basierte Frontends – technisch funktional, aber nicht mehr wartbar
Was es bedeutet:
Jedes System auf einer End-of-Life-Technologie ist ein Sicherheitsrisiko. Keine Patches bedeutet: bekannte Schwachstellen bleiben offen. Für regulierte Branchen kann das allein schon ein Compliance-Problem sein.
Eine Migration auf eine aktuelle Version ist fast immer günstiger als eine Neuentwicklung. Von .NET Framework auf .NET 8 zum Beispiel – das ist machbar, wenn man weiß, wo die Fallstricke liegen.
Zeichen 5: Sie können keine neuen Mitarbeiter finden
Das subtilste Zeichen – aber oft das entscheidende.
Typische Symptome:
- Stellenausschreibungen für Entwickler bleiben monatelang offen
- Bewerber springen ab, wenn sie den Tech-Stack sehen
- Ihr aktueller Entwickler droht zu gehen
- Neue Mitarbeiter brauchen Monate zur Einarbeitung
Was es bedeutet:
Gute Entwickler wollen an modernen Systemen arbeiten. Niemand möchte seinen Lebenslauf mit „Wartung eines 15 Jahre alten VB.NET-Monolithen" füllen.
Das ist kein Recruiting-Problem – das ist ein Technologie-Problem. Und es löst sich nicht durch höhere Gehälter, sondern durch Modernisierung.
Der Selbsttest: Wo stehen Sie?
Zählen Sie, wie viele Zeichen auf Ihr Unternehmen zutreffen:
| Zeichen | Trifft zu? |
|---|---|
| Mitarbeiter haben Workarounds entwickelt | ☐ |
| Niemand traut sich, etwas zu ändern | ☐ |
| IT-Kosten sind nicht planbar | ☐ |
| Technologie ist End of Life | ☐ |
| Keine neuen Entwickler zu finden | ☐ |
0–1 Treffer: Ihre Software ist in akzeptablem Zustand. Behalten Sie die Punkte im Blick.
2–3 Treffer: Handlungsbedarf. Eine professionelle Analyse lohnt sich, bevor die Probleme größer werden.
4–5 Treffer: Dringender Handlungsbedarf. Jeder Monat Abwarten macht die Modernisierung teurer und riskanter.
Wie das in der Praxis aussieht
Drei Beispiele aus unserer Arbeit:
-
Workarounds überall: Bei Bauer Metallbau liefen neben dem 11 Jahre alten Access-System drei Excel-Listen parallel – weil Funktionen fehlten oder zu umständlich waren. Statt neu zu bauen, haben wir das Bestehende modernisiert. Die Excel-Listen sind jetzt Geschichte. → Case Study lesen
-
Alte Technologie, kein Support mehr: Schuster Haustechnik hatte eine 16 Jahre alte Delphi-Software für die Lagerverwaltung. Nur an einem von drei Standorten nutzbar, kein Entwickler mehr zu finden. Heute läuft ein webbasiertes System an allen Standorten. → Case Study lesen
-
Kosten nicht planbar, Freelancer weg: Reiser Reisen zahlte monatlich 9.200 € für ein Azure-Kundendashboard – mal mehr, mal weniger, nie planbar. Seit der Übernahme: feste 4.900 €/Monat mit Monitoring und Support. → Case Study lesen
Was Sie jetzt tun können
Wenn zwei oder mehr Zeichen zutreffen, ist der beste nächste Schritt eine professionelle Bestandsaufnahme. Keine große Ausschreibung, kein teures Beraterprojekt – sondern eine ehrliche Analyse:
- Was ist der tatsächliche Zustand des Systems?
- Wo liegen die größten Risiken?
- Was muss sofort passieren, was kann warten?
- Was kostet die Modernisierung realistisch?
Diese Analyse dauert typischerweise 2–4 Wochen und kostet einen Bruchteil dessen, was ein unerwarteter Ausfall kosten würde.
Treffen zwei oder mehr Zeichen auf Sie zu? Lassen Sie uns kurz sprechen – kostenlos und unverbindlich →
